Graphologie Grafologie. Informationsplattform für Grafologie, Handschrift und Schreiben

Grafologie Informationen Publikationen Studien Erfahrungsberichte Grafologen
TOGGLE MENU

Grafologie international

Die Diagnostik der Handschrift ist Ausdruck des Interesses an der menschlichen Psyche, das im Laufe des 19. Jahrhunderts zunahm. Basis waren verschiedene Entdeckungen in der Medizin, vor allem in der Neurologie. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte beispielsweise Sigmund Freud in Wien seine Psychoanalyse, nachdem er unter anderem in Paris bei Charcot gearbeitet hatte.

Verschiedene Richtungen in Forschung und Arbeitsstil

Die moderne wissenschaftliche Grafologie nahm ihren Anfang in Frankreich. Jean Hippolyte Michon gab der noch jungen Wissenschaft den Namen: Graphologie.

Die Grundlagen wurden in Frankreich entwickelt, aber auch in Deutschland interessierte man sich für den psychischen Ausdruck in der Handschrift. Aufgrund der politischen Gegebenheiten (1870/71 Krieg zwischen Frankreich und Deutschland) verlief die Entwicklung der Grafologie in den beiden Ländern auf unterschiedlichen Wegen und es fand kein Austausch mehr statt. Nicht zuletzt weil die direkte Kommunikation auch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts nicht möglich war (zwei Kriege) verurteilte Ludwig Klages das Werk von Michon und von Crépieux-Jamin als Zeichendeuterei.

Beachten Sie auch die Seite mit den Links und die Galerie.
Seitenanfang

Grafologie im deutschen Sprachraum

In Deutschland wurde die Grafologie zum einen von Psychologie und Philosophie beeinflusst. Zum andern hat sich eine ganze Reihe von Medizinern mit den Handschriften befasst, eine Tradition, die beispielsweise Prof. Reinhard Ludewig in Leipzig weiter pflegt.

Experimentelle Ansätze von deutschen Psychiatern und Psychologen brachten wichtige Impulse. Prominente Namen sind etwa Ludwig Klages für die philosophisch geprägte Richtung, Rudolf Pophal, Robert Heiss und Heinrich Pfanne für die medizinisch beeinflusste Richtung der Grafologie.

Einen hohen Stellenwert hat für die meisten Grafologen im deutschsprachigen Raum eine Wissenschaftlichkeit, die sich an den Naturwissenschaften und an der Medizin orientiert.

Nachhaltig geprägt wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die deutschsprachige Grafologie von Ludwig Klages, der allerdings auf zahlreiche Arbeiten anderer Forscher zurückgreifen konnte. Er erkannte, dass Bewegungen gelöst oder gespannt ablaufen können und entwickelte das Prinzip der Polarität von Merkmalen in der Handschrift. Klages unterschied das "Ausdrucksprinzip" vom "Darstellungsprinzip". Ein neuer Ansatz war auch seine These, dass die grafologischen Merkmale doppeldeutig seien. Hingegen bleibt seine Theorie vom Formniveau kontrovers, nicht zuletzt deshalb, weil Ludwig Klages selber nie eine überzeugende Definition dieses Begriffes geben konnte.

Der Mediziner und Biologe Rudolf Pophal hat wesentliche Arbeiten publiziert, so über die kinetische Grafologie, welche die Handschrift als Spur einer Bewegung versteht. Ein anderer von ihm erforschter Zugang ist die eidetische oder verstehende Grafologie. Sie erfasst das Schriftbild und seine Elemente vor allem unter allgemein symbolischen und speziell auch unter raumsymbolischen Aspekten. Der Schweizer Max Pulver war ein führender Kopf dieses Forschungszugangs über die Symbolik. Er ergänzte ihn aufgrund seiner intensiven Auseinandersetzung mit der Psychologie von Carl Gustav Jung und entwickelte somit eine völlig eigenständige Art der Handschriftanalyse.

In Österreich befasste sich Roda Wieser vor allem mit dem Rhythmus in der Handschrift. Sie hatte in ihrer Arbeit viel mit Straffälligen zu tun. Dabei fiel ihr auf, dass deren Handschriften weniger rhythmisch waren als die von andern Personen. Dieses Phänomen nannte sie "Grundrhythmus" - ein Begriff, der ebenfalls nicht vorbehaltlos übernommen werden kann wie das "Formniveau" von Ludwig Klages.

Nähere Angaben sind auf der Seite Fachliteratur  zu finden. Mehr zu den genannten Grafologinnen und Grafologen in der Galerie.
Seitenanfang

Grafologie in Frankreich

Jean-Hippolyte Michon war der erste, der in Frankreich systematisch Handschriften sammelte, sie ordnete, katalogisierte und seine Beobachtungen dazu notierte. Nachfolger von Abbé Michon war Jules Crépieux-Jamin. Er überarbeitete und ergänzte Michons Werk, stellte selber auch ausführliche Studien an. Er entfernte sich dabei vom empirisch-induktiven Vorgehen Michons und neigte mehr dazu, das Ganze zu betrachten und eine Systematik hineinzubringen. Wesentlich ist seine Ansicht, dass zwischen den Eigenarten einer Handschrift Querbezüge bestehen; er zog erst aufgrund von sogenannten Resultanten Rückschlüsse auf die schreibende Person.

Sowohl Michon als auch Crépieux-Jamin studierten die Persönlichkeit in zweierlei Hinsicht: sie untersuchten die Handschrift, studierten dazu aber auch den jeweiligen Charakter einer Person. Anders ausgedrückt: neben dem naturwissenschaftlichen Zählen und Messen spielten von Anfang an auch psychologische Fragen eine wesentliche Rolle in der französischen Grafologie. So gesehen sind bereits die ersten Schritte von der Graphologie zur Schriftpsychologie gemacht worden.

In der weiteren Entwicklung konnte und kann die Grafologie in Frankreich ganz selbstverständlich Impulse und Theorien aus der Psychologie und speziell auch aus der Tiefenpsychologie aufnehmen. Speziell damit befasst hat sich Anja Teillard-Mendelssohn, eine Schülerin von C. G. Jung; sie stand bis zu seinem Tod mit ihm in Kontakt und hat mit ihm Fragen der Grafologie erörtert.

Wichtige Publikationen zur Grafologie in französischer Sprache sind auf der Seite Fachliteratur zu finden. Mehr zu den Grafologinnen und Grafologen in der Galerie.
Seitenanfang

Grafologie in Italien

Zentral für die Entwicklung der Grafologie in Italien ist Padre Girolamo Moretti. Geistlicher auch er, interessierte er sich für die Persönlichkeit der Menschen. Er verstand diese umfassend als ein System von Neurologie, Psychologie, Physiologie und Somatik - damit nahm er die moderne Theorie des Menschen als bio-psycho-soziale Einheit vorweg. Entsprechend konsequent vertritt er die Auffassung, dass jedes Merkmal im Kontext mit allen andern zu deuten sei.

Moretti entwickelte ein eigenes System in welchem der Bewegungsablauf eine zentrale Rolle einnimmt. Er gehört zu den Grossen der Grafologie wie Crépieux-Jamin, Klages, Pophal, Pulver und Saudek.

Wichtige Publikationen der italienischen Grafologie sind auf der Seite  Fachliteratur zu finden.
Seitenanfang

Grafologie in weiteren Ländern

Vorgesehen sind Informationen über die Grafologie in Grossbritannien, in den USA, in den Niederlanden, in Spanien, in Argentinien.Wenn Sie etwas dazu beitragen können, dann nehmen Sie doch Kontakt mit der Redaktion auf.
Seitenanfang