Graphologie Grafologie. Informationsplattform für Grafologie, Handschrift und Schreiben

Grafologie Informationen Publikationen Studien Erfahrungsberichte Grafologen
TOGGLE MENU

Galerie: Diese Persönlichkeiten haben die Grafologie geprägt

Auf dieser Seite werden Ihnen Grafologinnen und Grafologen vorgestellt, welche die Schriftpsychologie entscheidend geprägt haben. Die Reihenfolge der Präsentation ist zufällig.

Ihren Namen begegnen Sie zum Teil auch unter Publikationen in den Unterverzeichnissen Zur Grafologie und Forschungsbeiträge sowie im Literaturverzeichnis.

Beachten Sie auch die Seite Autoren.

Sie vermissen eine Person in dieser Galerie? Die  Redaktion nimmt gerne Ihre Anregungen entgegen.

Oskar Lockowandt (1935-2000)

Foto O. Lockowandt

Foto: Privatarchiv
F. & P. Lockowandt

Handschrift O. Lockowandt

Studium von Philosophie, Germanistik sowie alten Sprachen. Beeindruckt von Robert Heiss als Persönlichkeit, wechselte er die Studienfächer und studierte bei ihm Allgemeine Tiefenpsychologie, psychologische Diagnostik und wissenschaftliche Schriftpsychologie.
Psychologieprofessor an der Universität Bielefeld und Kinderpsychotherapeut. Seine Interessen waren breit gefächert, Schwerpunkte bildeten die Humanistische Psychologie und die Grafologie. Oskar Lockowandt legte grossen Wert auf den wissenschaftlichen Umgang mit den Handschriften und hat selber zahlreiche Studien dazu publiziert.
Er hatte eine durchaus kritische Haltung gegenüber der Grafologie als Wissenschaft, war aber ausserordentlich engagiert dabei, sie "an Haupt und Gliedern" zu erneuern. Besorgt darüber, dass sich die Grafologie in einer Krise befinde, gründete er zusammen mit Rosemarie Gosemärker und Egon Schulze 1994 die Bielefelder Arbeitsgemeinschaft für wissenschaftliche Schriftpsychologie.
Er sammelte Texte zur Grafologie, was schliesslich mit Unterstützung einiger Mitarbeitenden zur Bielefelder Graphologischen Bibliographie wurde. In einem ersten Band wurde der deutschsprachige Bereich abgedeckt, später sollte noch ein Band mit fremdsprachigen Publikationen dazukommen; diesen konnte er vor seinem Tode nicht abschliessen; der Abschluss der Arbeiten steht noch aus. Die Sammlung ist heute in der Universitätsbibliothek in Stuttgart untergebracht.

Zurück zur Namenliste

Bernhard Wittlich (1902-1975)

Foto B. Wittlich

 

Handschrift B. Wittlich

Nach einem mathematisch-naturwissenschaftlichen Studium Gymnasiallehrer für Mathematik und Physik in Deutschland. Geschult im naturwissenschaftlichen Denken, wo eindeutige Klassifikationen gebraucht werden, nahm er sich vor, Begriffe aus der Charakterkunde zu definieren und zu ordnen. Er entwickelte ein System mit detaillierter Analyse und qualitativer Bewertung von Schriftmerkmalen, die mit Normwerten verglichen werden und in einer Grafik (Grafologisches Charakterdiagramm) eingetragen werden.
Eine zwingende Notwendigkeit war für den Naturwissenschafter Bernhard Wittlich, dass die Bedeutungen in der Charakterkunde eindeutig definiert wurden. So verfasste er das Wörterbuch zur Charakterkunde, welches in kurzer Zeit mehrere Auflagen erlebte.
Weitere wichtige Arbeiten verfasste er über Neurosestrukturen in der Handschrift sowie über Konfliktzeichen in der Handschrift; daneben Mitarbeit bei Untersuchungen zum Nachweis von alkoholbedingten Persönlichkeitsstörungen sowie zu Handbüchern und Lexika wie z. B. das Lexikon der Psychologie, welches bei Herder Freiburg erschien.
Lehrbeauftragter für Graphologie an der Universität Kiel und an der Pädagogischen Hochschule Kiel. In diesem Zusammenhang befasste er sich auch mit Entwicklungsschwierigkeiten während der Pubertät.
Aufgrund seiner Herkunft und seiner Biografie (Geboren im heutigen Estland, aufgewachsen als Deutscher im zaristischen Russland in der Diaspora-Situation) entwickelte er einen ausgeprägten Sinn für Beziehungspflege. Dadurch war es für ihn selbstverständlich, immer wieder Interessengruppen und Verbände zu gründen und sich darin zu engagieren, meist als Prüfungsexperte.
Im Graphologischen Forschungskreis - gegründet im Sommer 1945 - fanden sich die deutschen Graphologen nach dem Krieg wieder zusammen. Bernhard Wittlich war massgeblich an der Gründung und an der Herausgabe von Rundbriefen beteiligt.
1946 wurde er Vorstandsmitglied im neu gegründeten Verband Deutscher Graphologen e.V. Schliesslich wurde er in den 70er Jahren Wissenschaftlicher Beirat in der Europäischen Gesellschaft für Schriftpsychologie EGS, bei deren Gründung er ebenfalls massgebend beteiligt war.

Siehe auch Literaturverzeichnis.
(Diese detaillierten Angaben beruhen auf Informationen von Frau Renate Kümmell, geb. Wittlich, Geprüfte Graphologin BGG/P und EGS; Herzlichen Dank!)

Zurück zur Namenliste

Minna Becker (1887-1973)

Bild M. Becker

Handschrift M. Becker

Von ihrem Vater erhielt Minna Becker die ersten Instruktionen in der Grafologie. Schon bald unterstützte sie ihn in seiner Arbeit und betätigte sich auch als Schriftsachverständige wie er.
Minna Beckers umfassendes Wissen wurde auch immer wieder für ganz besondere Fälle beansprucht. Ob die Tagebücher von Anne Frank tatsächlich authentisch seien war so eine Fragestellung. Dann wurden ihr auch Schriften vorgelegt, anhand derer sie zu beurteilen hatte, ob die Schreiberin tatsächlich die Zarentochter Anastasia sei.
Minna Becker war auch als Beraterin bei der Personalauswahl von Firmen tätig. Ihre Überzeugung: "An jeder Stelle muss auch der richtige Mensch stehen der neben den notwendigen Kenntnissen auch die charakterlichen Eigenschaften hat, die notwendig sind, um ihren Anforderungen gerecht zu werden."
Besonders interessierte sie sich auch für die Schriften von Kindern und Jugendlichen. Unermüdlich sammelte sie Material und stellte Studien darüber an. Im August 1949 wurde auf Anregung der hamburgischen Schulbehörde von Minna Becker eine Pädagogisch-graphologische Beratungsstelle für Lehrkräfte eingerichtet. Dort konnte sie als Beraterin von Eltern, Lehrern und Jugendlichen ihr umfassendes Wissen zum Wohle der Jugendlichen einsetzen.

Zurück zur Namenliste

Christian Dettweiler (1915-1995)

Foto Ch. Dettweiler

Handschrift Ch. Dettweiler

Christian Dettweiler war Naturwissenschaftler. Als Pharmazeut, der ausserdem Botanik, Biologie und Agrarwissenschaften studiert hatte, bildete er sich weiter in Tiefenpsychologie und analytischer Psychotherapie.
Er praktizierte als Psychotherapeut, interessierte sich zunehmend für die Grafologie.
Mit innovativem Geist und unermüdlichem Engagement entwickelte er eine eigene grafologische Richtung. In ihr wurde die konventionelle Grafologie durch eine entschieden psychoanalytisch fundierte Grafologie ersetzt. Er integrierte nicht nur die traditionelle Tiefenpsychologie mit den Ideen von Sigmund Freud und Carl Gustav Jung in sein grafologisches System, sondern berücksichtigte darüber hinaus relevante moderne Entwicklungen wie die Theorien von Balint und Winnicott über die "frühen" Störungen, die Objektbeziehungspsychologie von Otto Kernberg und die Selbstpsychologie von Heinz Kohut.
1986 gründete er die Internationale Gesellschaft für Dynamische und Klinische Schriftpsychologie.

vgl. auch Literaturverzeichnis

Zurück zur Namenliste

Arno Müller (1930-2005)

Foto A. M?ller

Handschrift A. M?ller

Prof. Dr. Arno Müller war Professor an der Universität des Saarlandes und langjähriger Mitarbeiter an der dortigen Untersuchungsstelle für Verkehrstauglichkeit. Er war einer der massgebenden deutschsprachigen Psychodiagnostiker und Autoren der Grafologie.
Arno Müller war ein engagierter Sammler von Handschriften. Seine ansehnliche Privatsammlung bildete den Ausgangspunkt für sein Buch Berühmte Frauen - von Maria Stuart bis Mutter Teresa - Persönlichkeit - Lebensweg - Handschriftanalyse, das 2002 im Braumüller Verlag erschienen ist. Es ist sein grafologisches Lebenswerk. Darin kommen seine Beobachtungsgabe, seine subtile Deutungskunst sowie sein Sinn für klare Methodik aufs Feinste zum Ausdruck. Der Leser wird nicht nur mit wegweisenden Persönlichkeiten der Geschichte und deren Handschriften konfrontiert, sondern erhält auf 40 Seiten einen klar strukturierten und überzeugenden Lehrgang in Grafologie. Arno Müller pflegt in diesem Werk sowie in anderen Arbeiten die psychologische Interpretation und Deutung auf eine äusserst differenzierte, subtile und kompetente Art; zugleich war ihm das mathematische Denken nahe und vertraut, mit dem er diagnostische Aussagen wo immer möglich untersuchte und überprüfte.
Eine spezielle Studie hat er dem Formniveau nach Ludwig Klages gewidmet.
Freunde, die am Institut von Hans Bender und später in der Verkehrspsychologie mit Arno Müller zusammengearbeitet haben, schätzten an ihm seine stets ruhige, liebenswürdige und lebendige Präsenz. Er war ein verständnisvoller Freund, unkompliziert, wenn nötig unkonventionell in seiner Hilfsbereitschaft.
Stille Bewunderung fand die natürliche Art, wie er mit seiner Behinderung umzugehen verstand, die von einer Kinderlähmung stammte. Eine von ihm selber konstruierte Beinschlaufe machte es ihm möglich, Auto zu fahren. Sein Erfindungsgeist zeigte sich in praktischen Alltagsfragen sowie im Auffinden neuer diagnostischer Untersuchungswege, die oft mit Schreiben und Sprache zu tun hatten. Von früh auf lernte Arno Müller mit seinen Kräften haushälterisch umzugehen. Er entwickelte, vielleicht aus Kompensation zu seiner gefährdeten Gesundheit, einen unerhört starken Willen.
Ähnlich wie ihn seine Freunde erlebten, zeigt sich seine vielschichtige und feinsinnige Persönlichkeit in seiner Handschrift.
(Diese detaillierten Angaben beruhen auf Informationen von Frau Gisela Müller; Herzlichen Dank.)

Vgl. auch Literaturverzeichnis

Zurück zur Namenliste

Roda Wieser (1894-1986)

Foto R. Wieser

Handschrift R. Wieser

Roda Wieser studierte Politikwissenschaften. Ab 1926 besuchte sie das Ausdrucksseminar von Ludwig Klages in Kilchberg bei Zürich.
Die gebürtige Deutsche eröffnete in Wien eine graphologische Praxis, war Betriebsgraphologin sowie beeidete Schriftsachverständige an den Wiener Gerichten und schliesslich Assistentin am Kriminologischen Institut der Universität Wien.
Die straffällig gewordenen Menschen interessierten sie aus psychologischer Sicht und sie entwickelte die Theorie des Grundrhythmus. Dabei traf sie sich in ihren Überlegungen mit Jean Piaget, für den der Rhythmus ebenfalls etwas Zentrales war.
Der Grundrhythmus in einer Handschrift wurde zu dem Thema, das sie ihr ganzes weiteres Leben erforschte. Sie verfasste zahlreiche Bücher und Fachartikel.

Vgl. auch Literaturverzeichnis

Zurück zur Namenliste

Teut Wallner

Foto T. Wallner

Handschrift T. Wallner

Diplom-Psychologe, staatlich geprüfter und anerkannter Schriftpsychologe. Studierte bei W. H. Müller und Alice Enskat in Berlin. Abschluss "Berufsprüfung für Graphologen" 1953.
Ab 1954 tätig als Arbeits-Psychologe mit zusätzlicher schriftpsychologischer Ausbildung am Institut für Angewandte Psychologie in Schweden.
Teut Wallner verfolgte über ein halbes Jahrhundert hinweg wesentliche Fragen der Schriftpsychologie. Vor allem im Ruhestand (ab 1988) engagierte Wiederaufnahme seiner Forschungs- und Studienarbeiten im Bereich Schriftpsychologie. Am Anfang standen Themen wie Objektivität, Reliabilität und Validität der schriftpsychologischen Aussagen. Bald kamen systematische und definitorische Ordnungsfragen hinzu. Und schliesslich befasste er sich immer intensiver mit der Stellung der Methode im Bereich der zunehmend skeptischer eingestellten Wissenschaften und mit den Zukunftsaussichten der graphologischen Methode.
Verfasser von zahlreichen Publikationen zur Grafologie, von Forschungsbeiträgen, eines Lehrbuches und von Arbeitsmitteln.
Ehrenmitglied der Schweizerischen Graphologischen Gesellschaft SGG.

Vgl. auch Literaturverzeichnis

Zurück zur Namenliste

Robert Heiss (1903-1974)

Foto R. Heiss

Handschrift R. Heiss

Studium von Philosophie, Psychologie und Soziologie. Leiter des Institutes für experimentelle Psychologie in Köln und ab 1943 Professor für Philosophie und Psychologie in Freiburg i. Br., wo er das Institut für Psychologie und Charakterologie gründete.
Begründer der Diagnostischen Psychologie.
Er verstand die Persönlichkeit nicht als statisch gegeben, sondern als Abbild eines dynamischen Prozesses.
Robert Heiss systematisierte die Deutung der Handschrift in hohem Masse. Er unterschied die Analysefelder Bewegung, Raum und Form und verstand diese als Ausdruck verschiedener psychischer Komponenten.

Vgl. auch Literaturverzeichnis

Zurück zur Namenliste

Alice Enskat (1897-1978)

Foto A. Enskat

Handschrift A. Enskat

Pädagogin und Psychologin. Alice Enskat traf 1936 auf W. H. Müller und wurde seine Mitarbeiterin.
Das gemeinsame Werk Grafologische Diagnostik: Ihre Grundlagen, Möglichkeiten und Grenzen erschien erstmals 1961 und ist nach verschiedenen Überarbeitungen heute noch wegweisend in Systematik und Gründlichkeit.

vgl. auch Literaturverzeichnis

Zurück zur Namenliste

Wilhelm H. Müller (1899-1966)

Foto W.H. M?ller

Handschrift W.H. M?ller

W. H. Müller war Professor an der Technischen Universität Berlin und Grafologe.
1936 traf er eine ebenfalls engagierte Kollegin der Graphologie: Alice Enskat, die später seine Mitarbeiterin wurde.
Zusammen mit Alice Enskat verfasste er das wegweisende Lehrbuch Graphologische Diagnostik, welches 1961 erstmals erschien und seither in zahlreichen Neuauflagen publiziert wurde.
Die kritischen Überlegungen und systematischen Herleitungen zu Grundlagen, Theorien und Methoden der Grafologie waren richtungsweisend für die weitere Forschung in der deutschsprachigen Grafologie, denn in diesem Werk wurden theoretische Erkenntnisse und praktische Erfahrungen in wissenschaftlich fundierter und nachvollziehbarer Weise dargestellt. Es ist als Lehrbuch konzipiert, dient aber ebenso als Nachschlagewerk, nicht zuletzt wegen der beiden Beilagen (Tabellenheft und Schriftprobenheft).
W. H. Müller war stets wach und kritisch, er appellierte an die Grafologenschaft "aktiv und mit moderner Methodik die grafologische Diagnostik empirisch-experimentell zu konsolidieren."

Vgl. auch Literaturverzeichnis

Zurück zur Namenliste

Heinrich Pfanne (1923-1990)

Foto H. Pfanne

Handschrift H. Pfanne

Heinrich Pfanne studierte Rechtswissenschaften und war Schriftsachverständiger am Hessischen Landeskriminalamt in Wiesbaden.
Zahlreiche Veröffentlichungen zur Schriftexpertise und zu juristischen Grenzproblemen zwischen Grafologie und Schriftvergleichung. Er trat für eine strikte Trennung der beiden Fachgebiete ein.
Sein Hauptwerk ist das Lehrbuch der Graphologie mit dem Untertitel Psychodiagnostik auf Grund graphischer Komplexe worin er detaillierte Tabellen für die verschiedenen Merkmale veröffentlichte.

Vgl. auch Literaturverzeichnis

Zurück zur Namenliste

Ursula Avé-Lallemant (1913-2004)

Foto U. Av?-Lallemant

Handschrift U. Av?-Lallemant

Ursula Avé-Lallemant befasste sich vor allem mit Handschriften von Kindern und Jugendlichen.
Sie entwickelte eine Testbatterie zur Ergänzung der Handschriftendiagnostik, die auch für ganz kleine Kinder geeignet war.
Sie hinterfragte die herkömmlichen Thesen der deutschen Grafologie seit Klages und nahm dazu kritische Stellung.
Gründete 1980 den "Studienkreis Ausdruckswissenschaft", der später zum Verein für Dynamische Graphologie in der Psychodiagnostik (VDGP) wurde.

Vgl. auch Literaturverzeichnis

Zurück zur Namenliste

Jules Crépieux-Jamin (1848-1940)

Foto J. Cr?pieux-Jamin

Handschrift J. Cr?pieux-Jamin

Jules Crépieux-Jamin konnte auf dem Werk von Michon aufbauen, doch verifizierte und verfeinerte er es. Er veröffentlichte 1929 sein bedeutendes Werk ABC de la Graphologie.
Auch für Crépieux-Jamin war der rationale Aspekt des Beobachtens, Messens und Bewertens sehr wichtig und wie Michon wendete er für die Deutung das Resultantenverfahren an. Die Merkmale wurden klassifiziert und wie bei Michon nach Gattung, Art und Individuum unterschieden. Zudem gewann die Bewegung, welche einen Schriftzug entstehen liess, eine zentrale Rolle in seiner Arbeit. Er unterschied drei Gesetze, nach denen eine Handschrift untersucht werden musste. Seine Klassifizierung in espèces (Gestalttypen) orientiert sich an Kriterien der unterschiedlichen Bewegung. Zwei Massstäbe setzt auch er an bei der Bewertung einer Handschrift: den grafologischen und den charakterologischen, wobei sich diese beiden entsprechen und gegenseitig bestimmen.

Überzeugt von der Würde des Menschen engagierte er sich auch in der Dreyfusaffäre in Frankreich. Der jüdische Offizier war durch Briefe schwer belastet und in der Folge verurteilt worden. Crépieux-Jamin wurde als Handschriftexperte beigezogen und konnte nachweisen, dass die Papiere gefälscht worden waren, sodass der Verurteilte befreit und rehabilitiert werden konnte. Über diese Arbeit hat er auch ein Buch veröffentlicht: L'expertise en écriture et les leçons de l'affaire Dreyfus.

Zurück zur Namenliste

Jean-Hippolyte Michon (1806-1881)

Foto J.- H. Michon

Handschrift J.-H. Michon

Jean-Hippolyte Michon war Geistlicher mit unruhigem Unternehmergeist. Weitgereist und vielseitig interessiert wusste er als Redner und Autor zu begeistern. Er kannte die früheren Versuche, Handschriften zu deuten, die Überlegungen von Lavater und von Abbé Flandrin hatte er gelesen. Michon war bestrebt, die bisherige empirische Vorgehensweise durch Wissenschaftlichkeit zu ersetzen. Damit war er ein typischer Vertreter seiner Zeit, wenn man bedenkt, dass Charles Darwin 1859 seine Evolutionstheorie veröffentlicht hatte.

1875 publizierte er sein Hauptwerk Système de Graphologie; l'art de connaître les hommes d'après leur écriture. Damit hat er für die junge Wissenschaft auch gleich einen Namen geschaffen: "Graphologie" aus dem Griechischen "graphein" = schreiben, und "logos" = Wort, Lehre
Ausgangspunkt für Michons Diagnostik war einerseits die Handschrift, andererseits der Charakter eines Menschen. Basis seiner Studien waren systematische Untersuchungen von Handschriften, beispielsweise "indem er hundert Schriften von sehr sparsamen Menschen ansah". Auf empirisch-induktive Weise kam der Geistliche so zu seinen Erkenntnissen. Er suchte nach Gesetzmässigkeiten, analysierte die Handschrift, definierte Begriffe und ordnete diese in einem System. Nach dem Vorbild von Linné in der Biologie entwickelte er Klassen, Ordnungen und Gruppen von Merkmalen. Er konnte nachweisen, dass sich Charaktereigenschaften in bestimmten Merkmalskombinationen ausdrücken und entwickelte ein Resultantenverfahren, um aufgrund der Handschrift auf Persönlichkeitszüge zu schliessen. Nach der Analyse folgte so die Synthese und ermöglichte ein recht genaues Portrait der Persönlichkeit.
Der zweigleisige Zugang (Handschrift einerseits und Charakter bzw. Persönlichkeit andererseits) ermöglichte es der französischen Grafologie im 20. Jahrhundert auf selbstverständliche Weise, mit den tiefenpsychologischen Erkenntnissen umzugehen und sie in die Grafologie zu integrieren.

Zurück zur Namenliste

Maria Hepner (1896-1992)

Foto M. Hepner

Handschrift M. Hepner

Maria Hepner studierte bei den damals führenden Grafologen Ludwig Klages, Max Pulver und Robert Saudek.
In den folgenden Jahrzehnten erwarb sie eine vielseitige Erfahrungen durch Studien an ganz unterschiedlichem Schriftmaterial. Schriften von "Menschen wie du und ich" interessierten sie ebenso wie Schriften von Menschen in besonderen Situationen. Dazu gehörten Insassen von Strafanstalten, Jugendliche in Erziehungsheimen, Menschen in psychiatrische Anstalten.
Ganz besonders widmete sie sich den Schriften von Kindern und Jugendlichen. Ihre Tätigkeit in der psychiatrischen Anstalt in Berlin-Kreuzberg brachte sie in die Situation, dass sie den Ärzten Auskünfte über Verhalten und Dispositionen von Kindern geben sollte. Mit dem Schriftmaterial und den vielfältigen Hintergrundinformationen entwickelte sie den Hepner Schreibtest. Dieser ist die Grundlage für die systematische Erforschung der Handschriften von Kindern und Jugendlichen. Ihre Erkenntnisse veröffentlichte sie in ihrem Werk Schlüssel zur Kinderschrift. Es erschien in der Schweiz, wohin Maria Hepner emigrieren musste. Der Schreibtest hat sich über 60 Jahre hinweg bewährt.

Vgl. auch Literaturverzeichnis

Zurück zur Namenliste

Max Pulver (1889-1952)

Foto M. Pulver

Handschrift M. Pulver

Max Pulver studierte Geschichte, Psychologie und Philosophie.
Er lebte als Grafologe, Psychologe und Schriftsteller in Zürich; hielt Vorlesungen am IAP (Institut für Angewandte Psychologie) Zürich, an der Universität Zürich, zuvor schon in Berlin.
Regte 1950 die Gründung der  Schweizerischen Graphologischen Gesellschaft SGG an.
Bei Max Pulver spielt die Symbolik der Handschrift eine zentrale Rolle (z. B. oben/unten, links-rechts). Intensiv betrieb er auch die Strichanalyse und erarbeitete verschiedene Arten der Stricherfassung. Ein spezielles Anliegen war ihm, die tiefenpsychologischen Dimensionen für die Grafologie zu nutzen. Auf diesem Hintergrund stellte er die Forderung, dass die Gegenübertragung der Grafologen auf eine Handschrift analysiert werden müsse, damit die Interpretation der Handschrift nicht mit Persönlichkeitsanteilen des Deuters vermischt wird. Entschieden stellte er die Theorien von Ludwig Klages in Frage.
Max Pulver entwickelte auch eine Intelligenztheorie, wobei aufgrund der Handschrift auf die Intelligenz der schreibenden Person geschlossen werden soll.

Vgl. auch Literaturverzeichnis

Zurück zur Namenliste

Hans Knobloch (1910-2004)

Foto H. Knobloch

Handschrift H. Knobloch

Hans Knobloch interessierte sich sehr früh für die Grafologie. Er arbeitete als Grafologe und Personalberater und hatte im Nebenamt einen Lehrauftrag für Schriftpsychologie an der Universität Mainz.
Hans Knobloch entwickelte ein eigenes System um Handschriften zu systematisieren. Sein Ansatz unterscheidet sich radikal von demjenigen von Ludwig Klages: er gruppierte Handschriften nach ganzheitlichen Gesichtspunkten. Zudem vergleicht er Handschriften mit formaler Ähnlichkeit aber mit qualitativen Unterschieden (z. B. Vitalität stark vs. Vitalität schwach).

Von 1953 bis 1965 war er an der Herausgabe der Zeitschrift für Menschenkunde massgeblich beteiligt.
Ehrenmitglied der Schweizerischen Graphologischen Gesellschaft SGG.

Vgl. auch Literaturverzeichnis

Zurück zur Namenliste

Anja Teillard (1889-1978)

Anja Teillard-Mendelssohn

Quelle: Wikimedia Commons

Handschrift von A. Teillard-Mendelssohn

Anja Teillard-Mendelssohn war Grafologin und Analytikerin nach jung'scher Schule. Sie studierte bei Ludwig Klages.
Darüber hinaus unterhielt sie Kontakte zu zahlreichen anderen wichtigen Grafologen wie Max Pulver in der Schweiz, Robert Saudek in Grossbritannien und Jules Crépieux-Jamin in Frankreich.
Sie war bei den ersten, die das Gemeinsame von Grafologie und Psychologie suchten. Während der psychoanalytischen Ausbildung bei C.G. Jung persönlich war es für sie klar, dass eine "neue grafologische Sprache" gefunden werden musste. Der Brückenschlag gelang ihr, nicht zuletzt, weil sie sich während mehr als zwanzig Jahren mit Jung darüber austauschte. Wegweisend ist ihr Werk Handschriftendeutung auf tiefenpsychologischer Grundlage.

vgl. auch Literaturverzeichnis

Zurück zur Namenliste

Ludwig Klages (1872-1956)

Foto L. Klages

Handschrift L. Klages

Ludwig Klages studierte Chemie, später Psychologie.
Sein Hauptwerk Handschrift und Charakter erschien erstmals 1917 und erreichte 1982 die 28. Auflage. Darin entwarf er ein polares System, bei welchem der Bewegungsablauf in der Handschrift nach Lösung und Bindung bzw. nach Statik und Dynamik unterschieden wird; damit postulierte Klages die Mehrdeutigkeit eines Merkmals. Die Arbeit ist wissenschaftlich so weit "sauber", doch spielten seine weltanschaulichen Ansichten bei der Interpretation der Merkmale eine teilweise eine übermässige Rolle.

Ein umstrittenes und bis heute kontrovers diskutiertes Konstrukt ist das Formniveau. Nicht zuletzt, weil Klages diesen Begriff nie zufriedenstellend definieren konnte bot er Stoff für Argumentationen und Spekulationen.
Ludwig Klages gründete zusammen mit Hans Hinrich Busse und Georg Meyer die Deutsche Graphologische Gesellschaft.
Er übersiedelte 1915 nach Kilchberg bei Zürich.

Vgl. auch Literaturverzeichnis

Zurück zur Namenliste

Rudolf Pophal (1893-1966)

Foto R. Pophal

Handschrift R. Pophal

Rudolf Pophal war Mediziner mit den Schwerpunkten Neurologie und Psychiatrie. Ab 1952 war er Professor der Grafologie in Hamburg.
Ein wichtiger Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Bewegungsphysiologie. Rudolf Pophal entdeckte und beschrieb die sogenannten Versteifungsgrade einer Handschrift. Er unterschied fünf Grade und ordnete sie bestimmten Hirnregionen zu, die jeweils dominanten Einfluss auf die Bewegung haben.
Sein Buch Die Handschrift als Gehirnschrift basiert auf seinen neurologischen Untersuchungen und kann als sein Hauptwerk angesehen werden. 1990 wurde es ins Italienische übersetzt. Ausgesprochen interessant ist auch das mehrbändige Werk Graphologie in Vorlesungen.

Vgl. auch Literaturverzeichnis

Zurück zur Namenliste

Magdalene Heermann

Foto M. Heermann

Handschrift M. Heermann

Ausgehend von der Erkenntnis "Handschrift ist Hirnschrift" ging Magdalene Heermann den umgekehrten Weg. Anlass war der Schlaganfall ihrer Mutter, der Lähmungserscheinungen zur Folge hatte. Es gelang Magdalene Heermann, mittels einfacher Übungen diese Einschränkungen zu kurieren. In der Folge entwickelte sie in Zusammenarbeit mit Ärzten und Neurowissenschaften eine Schreibbewegungstherapie, welche den individuellen Rhythmus zum Schwerpunkt von psychotherapeutischen Bemühungen macht. Die psychomotorischen Behandlungen bewährten sich in ihrer jahrzehntelangen Arbeit mit verhaltensgestörten, neurotischen Kindern und Jugendlichen. Sie gründete das Institut für Schreibbewegungstherapie. Ihr Werk Schreibbewegungstherapie und Schreibbewegungstest bei verhaltensgestörten, neurotischen Kindern und Jugendlichen erschien in drei Auflagen.
Aus dieser Schreibbewegungstherapie entwickelte sie einen Schreibbewegungstest, den sie ebenfalls über 20 Jahre mit Erfolg in ihrer Praxis anwendete. Dieser Test erfasst die kindliche Dynamik sowie die Erlebens- und Verhaltensweisen. Er schafft die Voraussetzungen für die Anwendungs- und Kontrollmöglichkeiten der Schreibbewegungstherapie und kann auch in projektiven Verfahren und Zeichentests angewandt werden.
In den Niederlanden besteht ein Institut, an dem mit Magdalene Heermanns Therapieansatz Kinder und Erwachsene unterstützt werden. Mehr dazu auf www.schrijfpedagogischehulp.nl (in holländischer Sprache).

Vgl. auch Literaturverzeichnis

Zurück zur Namenliste

Girolamo Moretti (1879-1963)

Foto G. Moretti

Handschrift G. Moretti

Padre Girolamo Moretti war Franziskanermönch und wirkte als Priester und als Grafologe. Er sah den spontanen motorischen Ausdruck der Handschrift in einem engen Zusammenhang mit der physischen Konstitution und der Persönlichkeit des Schreibers/der Schreiberin. Grund dafür sind neurophysiologische Zusammenhänge.
Moretti entwickelte ein System um die Intensität der grafologischen Merkmale zu messen. Ein grafisches Merkmal der Handschrift ist für ihn nicht statisch, isoliert und somit mit einer einzigen Deutung zu interpretieren; vielmehr muss es im dynamischen Zusammenhang mit allen anderen in den Handschrift zu beobachtenden Kriterien gesehen werden.
Moretti unterschied zwischen wesentlichen (sostanziali), veränderlichen (modificanti) und zufälligen (accidentali) Elementen, die entsprechend gewichtet werden müssen. Damit wird es möglich, eine adäquate Interpretation der Handschrift zu vorzunehmen.

Obwohl zutiefst davon überzeugt, dass jeder Mensch eine einzigartige Persönlichkeit ist, erkannte er gewisse Gesetzmässigkeiten und Zusammenhänge. Darauf basierend entwickelte er eine eigene Persönlichkeitstheorie, die als Morettianische Temperamente bezeichnet werden. Diese sind: Nachgeben, Abwarten, Widerstand und Angriff.

Vgl. auch Literaturverzeichnis

Zurück zur Namenliste