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Schreiben, Handschrift, Grafologie und Schriftpsychologie

Schreiben heute

Noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde grossen Wert auf eine möglichst normgetreue Schrift gelegt.
Eine sogenannt flüssige Kaufmannsschrift war eine wichtige Qualifikation für Büroangestellte. Geschäftskorrespondenz, Protokolle und Buchhaltung wurden handschriftlich erledigt, darum wurde eine gut leserliche Schrift mit möglichst wenig persönlichen Eigenheiten bevorzugt.

Abgesehen davon hatte die Einordnung in Normen und Konventionen (was sich auch in einer möglichst normgetreuen Handschrift ausdrückt) ganz allgemein einen hohen Stellenwert.

Lesen Sie auch die Publikationen zum Thema Handschrift und Schreiben im 21. Jahrhundert.

Handschrift als Ausdruck der Individualität

Im Laufe der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde die Individualität zunehmend wichtiger. Entwicklung und Ausdruck einer eigenen Persönlichkeit wurden nun angestrebt, was sich auch in den Handschriften zeigte. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts schliesslich verschwand das Schulfach "Schönschreiben" aus den Lehrplänen. Die Variationsbreite von Handschriften hat damit nochmals enorm zugenommen, die Grafologie kann auf entsprechend breitgefächertes Material zurückgreifen. (vgl. dazu auch Publikationen).

Immer häufiger wird als persönliche Handschrift nicht mehr die Laufschrift (in der Schweiz auch "Schnüerlischrift" genannt) gewählt, sondern eine Scriptschrift (Druckschrift).
In älteren Büchern über Grafologie ist zu lesen, dass solche Schriften nicht zu analysieren seien und darum eine Schriftprobe in Laufschrift zu fordern sei.

Grafologinnen und Grafologen von heute sind herausgefordert, auch Druckschriften zu untersuchen. Es trifft zu, dass gewisse Kriterien in einer Scriptschrift nicht mehr oder nicht mehr so gut überprüft werden können, andere bekommen jedoch einen neuen Stellenwert. Wesentliche Eigenheiten einer Handschrift sind aber persönliche Konstanten, die sich sowohl in der Laufschrift als auch in der Scriptschrift zeigen.
Zur Illustration oben die Druckschrift unten die Laufschrift von der gleichen Person:

Druckschrift und Laufsschrift im Vergleich

Auch für ein ungeübtes Auge ist die Ähnlichkeit der beiden Handschriften ersichtlich:
Die Buchstaben sind schmal und hoch, die Proportionen sind gleich;
die schulmässigen Schleifen sind praktisch "verschwunden", vor allem in den Oberlängen und in den Unterlängen;
die Schrift ist deutlich nach rechts geneigt;
die Druckgebung ist die gleiche;
die Zeilenführung steigend und lebendig.
Dies nur einige der auffallenden Merkmalsübereinstimmungen.

Herausgefordert ist die Grafologie als Wissenschaft und als Diagnoseinstrument auch durch immer neue Schreibwerkzeuge. Längst haben Füllfeder und Kugelschreiber das Hantieren mit Feder und Tinte abgelöst. Faserschreiber, Rollerpen, Gelstifte ... es tauchen immer wieder neue Geräte auf dem Markt auf.
Zentral ist, dass eine Handschriftprobe mit einem Schreibzeug erstellt worden ist, das der schreibenden Person zusagt, mit dem er oder sie gerne schreibt.

Im beruflichen Alltag hat längst der Computer Einzug gehalten, mit dem Effekt, dass weniger von Hand geschrieben wird. Das ist bei der Beurteilung einer Handschrift mit zu berücksichtigen. In einer Langzeitstudie wurde untersucht, wie gross der Einfluss der Computerisierung auf die Handschrift ist - es zeigte sich, dass dieser überschätzt wird.

Aber es wird nach wie vor vieles handschriftlich fixiert: Notizen während Besprechungen, Telefonnotizen, Einkaufszettel; manche Menschen führen stets ein Notizbuch mit sich um ihre Gedanken sofort aufzuschreiben. Auch im Computerzeitalter wirken Gratulationskarten und Briefe persönlicher, wenn sie von Hand geschrieben sind. Nicht umsonst gibt es einen grossen Markt für individuelle Schreibgeräte, für die teilweise sehr hohe Preise bezahlt werden.

Zudem haben neueste Forschungen in der Neurowissenschaft gezeigt, dass Inhalte besser gelernt und gespeichert werden können, wenn handschriftliche Notizen gemacht werden!

Es zeigt sich also, dass die Grafologie sich in Bezug auf die Schreibgewohnheiten ständig mit veränderten Bedingungen auseinandersetzen muss. Als lebendige Wissenschaft ist ihr dies bis heute gut gelungen und sie wird wohl auch in Zukunft Schritt halten können.
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Grafologie und Schriftspychologie als Wissenschaft

Hinweis: Beachten Sie auch die Seite mit Beiträgen über die Wissenschaftlichkeit der Grafologie und jene mit Studien zur Erforschung der Grafologie.
In den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurde Handschriftendiagnostik an mindestens elf deutschen Universitäten gelehrt. Am weitesten fortgeschritten war die Ausbildung bei Robert Heiss an der Universität Freiburg. Dort war Grafologie Pflichtfach für die Studierenden der Psychologie. (Aus: Wallner, 2003).

Zwischen Professoren und Studierenden konnte aber kein solider Mittelbau etabliert werden mit dem Resultat, dass nach dem Ausscheiden von führenden Grafologen keine Kontinuität an den Hochschulen gewährleistet war.

Kommt hinzu, dass die letzten dreissig Jahre des 20. Jahrhunderts im Zeichen der Postmoderne standen. Dekonstruktivismus war die Devise, die "bewährten" Axiome der Nachkriegszeit wurden von der jüngeren Generation radikal in Frage gestellt. So hatte für die "68er" auch die Grafologie nicht mehr einfach per se einen Wert, sondern wurde ebenfalls hinterfragt.

In einer kleinen Zusammenstellung wird näher auf die Entwicklung der deutschen Grafologie seit 1970 eingegangen.

Nach wie vor ist Grafologie an verschiedenen Universitäten in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien im Fächerangebot.

Aktiv sind auch verschiedene Standesvereinigungen und Berufsverbände; diese Interessengruppen betreiben auch Forschungsprojekte, welche publiziert werden und teilweise auch auf dieser Website veröffentlicht sind.

Daneben gab und gibt es viele engagierte Einzelpersonen und informelle Netzwerke, innerhalb derer sich die Grafologinnen und Grafologen austauschen. Diese Aktivitäten sind aber fachspezifisch und daher im Prinzip nach innen gerichtet.

Von aussen wirkt die Grafologie derzeit eher heterogen. Immerhin zeigen sich Ansätze für eine Konzentration der Interessenvertretungen und Bündelung der Kräfte.

Es muss aber ganz klar gesehen werden, dass Heterogenität, unterschiedliche Entwicklungen in verschiedenen Ländern und Konkurrenzdenken nicht nur in der Handschriftendiagnostik zu beobachten sind. Gerade die von vielen Kritikern als Vorbild hingestellten Naturwissenschaften und die Medizin sind von da her absolut in vergleichbaren Situationen wie die Grafologie. Lesenswert ist der Artikel von Gottfried Schatz "Gefährdetes Licht - über die Bedrohungen, denen die Naturwissenschaften heute ausgesetzt sind".

Sogar die Neurowissenschaften - ein Forschungszweig, der in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zunehmend an Attraktivität gewonnen hat - spüren die Einstellung, dass "alles" in möglichst kurzer Zeit messbare Resultate zu bringen habe. Die Hirnforscher sehen sich wie die Grafologie/Schriftpsychologie mit komplexen Aspekten der Persönlichkeiten konfrontiert, mit Fragen, auf die es keine einfachen und schnellen Antworten gibt. Dies hat zur Folge, dass die Pharmafirmen mit Geldern für die Forschung zunehmend zurückziehen. Aufschlussreich wird das gezeigt im Artikel "Für Hirnerkrankungen sind keine Blockbuster in Sicht" in der NZZ vom 8. August 2012.
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Kritik an der Grafologie

Phasenweise wird heftig und lautstark Kritik an der Grafologie bzw. der Schriftpsychologie geübt. Gerne wird behauptet, sie sei unwissenschaftlich - pikant daran ist, dass die meisten dieser Kritiker keine vertieften Kenntnisse über diese diagnostische Methode haben. So entpuppt sich deren Urteil als reines Vorurteil; die Wiederholung von unzutreffenden Behauptungen lässt diese nicht zutreffender werden.

Tatsache ist, dass die Verantwortlichen in der Redaktion dieser Website in den vielen Jahren ihrer grafologischen Tätigkeit immer wieder solche Kritiker eingeladen haben, die Probe aufs Exempel zu machen und die eigene Handschrift analysieren zu lassen. Es ist jedoch nie jemand auf dieses Angebot eingegangen, was eher aufzeigt, dass die lautstarken Vorwürfe ihren Ursprung in persönlichem Ressentiment oder auch Angst haben - manche singen und pfeifen ja beim Durchqueren eines dunklen Waldes in der Nacht...

Schliesslich ist interessant zu wissen, dass die heftigsten Angriffe von Leuten vorgebracht wurden und werden, die selber (teure) Persönlichkeitstests an Unternehmen verkaufen. Eine etwas naive "Wissenschaftsgläubigkeit" sowie handfeste materielle Interessen gehen dann eine emotional wirksame Verbindung ein. Genaueres dazu im Artikel von Dr. Christian Katz.
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